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„Illicit Affairs“ und Swiftie-Magie: Eine Nacht mit Taylor Swift in Zürich

  • Autorenbild: jovankaruoss
    jovankaruoss
  • 23. Juli 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Vor zwei Wochen war ich ganz unverhofft am Taylor Swift Konzert in Zürich.


Alija ist ein grosser Taylor Swift Fan, eine richtige Swiftie. Sie kennt alle Lieder, kann selbstverständlich alle auswendig mitsingen und weiss um alle geheimen Botschaften. Es erstaunt drum nicht, dass ihr grösster Weihnachtswunsch ein Konzertbesuch war.


Frohen Mutes habe ich Mitte Dezember nach Tickets Ausschau gehalten. 


Der frohe Mut verwandelte sich sehr schnell in Frust. Bereits ein Jahr vor den Konzerten endete die Anmeldung für den Vorverkauf. Mit dieser Anmeldung durfte man an der Verlosung für den Ticketkauf teilnehmen, sie bedeutete längst keine Garantie auf ein Ticket. Aber egal, diese Frist hatte ich im Dezember eh schon längst verpasst.


Also nicht mit Glück, sondern mit Geld zum Ticket. 


Doch die Ticketpreise waren bereits im Dezember jenseits unseres Budgets für Weihnachtsgeschenke. Also suchte ich nach einer Alternative: Wir fahren ans Taylor Swift Konzert nach München! Vom nahe gelegenen Olympiaberg hat man Sicht auf das Stadion, dank Lautsprechern hört man das Konzert bestimmt auch von dort und die Vibrationen der tanzenden Fans, die sogar von Seismographen gemessen werden können, sollten wir unmittelbar neben dem Stadion auch mitkriegen. 


Die Hotelpreise in München waren an besagtem Wochenende bereits etwas happig, doch noch einigermassen erschwinglich. 


Alijas Begeisterung an Heiligabend hielt sich in Grenzen. Es war klar, dass meine Alternative nicht ihrem Wunsch entsprach. Auch das Taylor-Swift-Fanheftli, das wir ihr geschenkt hatten, konnte ihre Enttäuschung nicht mindern. Da ich selbst nie ein grosser Fan einer Sängerin oder – zu meiner Jugendzeit eher wahrscheinlich – Boyband war, konnte ich ihre Enttäuschung nicht ganz nachvollziehen. 


Je näher der Termin rückte, desto besorgter wurde ich allerdings.


Lassen die uns überhaupt auf diesen “Berg”? Und wenn ja, wieviele Stunden vor Konzertbeginn müssen wir uns anstellen, um einen halbwegs vernünftigen Platz mit Sicht aufs Stadion zu ergattern? Und was machen wir, wenn wir aufs Klo müssen? Es grausam heiss ist, oder, noch übler, in Strömen regnet?


Langsam zweifelte auch ich an meiner Alternative.


Am Vorabend des ersten Taylor Swift Konzerts in Zürich sass ich auf der Couch und scrollte durch Social Media und Gratis-Newsseiten. Plötzlich sah ich die Überschrift, dass es noch letzte Tickets für das Taylor Swift Konzert in Zürich gibt! Ich bin sofort auf die offizielle Verkaufsseite und habe nach den angepriesenen letzten Tickets gesucht.


Ausverkauft!


Das kann nicht sein, die seriöse Gratis-Newsseite lügt mich doch nicht an! Also Seite aktualisieren und schauen, ob sich was tut. Und siehe da, plötzlich sind Sitzplätze verfügbar. Hmmm, mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht. Soll ich die Tickets wirklich kaufen und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Zürich und wieder zurück fahren? Alija hat am nächsten Tag Schule. 


Darf man für ein Konzert Kopfschmerzen vortäuschen und die Schule schwänzen? 


Nach kurzer Beratschlagung haben Johannes und ich entschieden, dass man das darf. Am Morgen hat Johannes Alija geweckt und ihr mitgeteilt, dass sie heute Kopfschmerzen hat und nicht zur Schule geht, sondern nach Zürich, ans Taylor Swift Konzert! Es hat einen Moment gedauert, bis Alija diese Information verarbeiten konnte.


Doch dann kullerten Tränen. Tränen der Freude.   


Schnell zog sie ihr Glitzerkleid an. Ihre mit viel Hingabe selbst gemachten Freundschaftsarmbändeli vergass sie in der Hektik. Im Auto habe ich mich gewissenhaft auf das Konzert vorbereitet und aufmerksam den Liedern gelauscht. Als wir Zürich über die Hardbrücke erreichten, tauchten die ersten Swifties auf.


Mit Glitzerkleidern, pinken Cowboyhüten und Unterarmen voller Freundschaftsarmbändeli flanierten die Swifties durch die Strassen und verzauberten Zürich. 


Kaum hatten wir einen Parkplatz gefunden, wollte Alija zum Paradeplatz, weil Taylor Swift dort logieren soll. Ok, auf zum Paradeplatz. Auf der Tramfahrt bewunderte ich noch mehr Swifties und ihre farbenfrohen Glitzerkleider. Am Paradeplatz angekommen, gesellten wir uns zu den wartenden Swifties vor dem Nobelhotel. Nach zehn Minuten konnte ich Alija überzeugen, dass Taylor wohl nicht einfach so aus dem Hotel raus und zum Letzigrund spazieren wird. Also zurück Richtung Letzigrund.


Das Tram ist nun voll. Viel Glitzer, viele Freundschaftsarmbändeli, viele erwartungsfrohe Gesichter.


Vis-à-vis von uns sitzt eine andere Mutter mit ihrer Tochter. Wir kommen ins Gespräch. Ja, auch bei ihr war es Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk in einem. “Wow, was für tolle Armbändeli”, sage ich zu dem Mädchen. Sie sieht Alijas nackten Arm und schenkt ihr sofort ein Bändeli. Ich bin gerührt. 


Endlich erschliesst sich mir, wieso Alija in den letzten Wochen und Monaten so viele Chrälleli kaufen wollte. 


Bei der nächsten Haltestelle steigen noch mehr Swifties zu. Das Tram ist nun berstend voll. Doch die Stimmung ist unglaublich friedlich. Man schielt auf die Armbändeli, schaut, welchen Titel oder welche Songzeile es bei diesem Fan aufs Armbändeli geschafft hat. Beim Stadion angekommen, gesellen wir uns in die Warteschlange, die Spannung steigt nun langsam auch bei mir. 


Hoffentlich sehen wir von unseren Last-Minute Plätzen überhaupt die Bühne! 


Im Stadion werde ich positiv überrascht. Nun gut, wir sitzen nicht im VIP Bereich neben Roger Federer, aber unsere Plätze sind auch ganz akzeptabel! Wir hören uns die Vorband an, gehen noch kurz aufs Klo und ich hole uns die Letzigrund-berühmten Pommes frites! Die Idee mit den Pommes frites haben viele. 


Ich drängle mich unauffällig vorne in die Schlange rein.


Nach einer Weile wage ich es, ein Gespräch mit der Person anzufangen, vor die ich mich gedrängelt habe. Ja, er findet Taylor Swift auch gut, aber er ist vor allem wegen seiner Schwester hier. Und die Armbändeli, hast du die selbst gemacht? Nein, hat seine Schwester gemacht.


Er schaut mitleidig auf meinen nackten Arm und schenkt mir kurzerhand ein Armbändeli. 


Ich bezahle unsere Pommes frites, gönne mir noch ein Cüpli und zeige Alija stolz mein Armbändeli. Als das Konzert anfängt, bin ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Fan. Genauer gesagt bin ich ein Fan der Fans, ein Swiftie-Swiftie! Während des Konzerts werfe ich einen flüchtigen Blick auf mein Armbändeli und entziffere die Chrälleli. 


“Illicit Affairs”, geben die Chrälleli preis.


Verbotene Handlungen/Liebschaften. Hmmm, und nun frage ich mich, ob mich der grosszügige Swiftie-Bruder eigentlich bloss höflich und subtil auf mein Fehlverhalten hinweisen wollte… Egal. Ein Grund mehr, Swiftie-Swiftie zu sein. Mehr Freundlichkeit und Gelassenheit können wir alle brauchen, oder?

 
 
 

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